Bericht des Fernsehsenders RBB vom 11.05.2005: "Foul-Spiel - wie eine Schauspielschule junge Menschen abzockt"
Bericht des Fernsehsenders RBB vom 05.10.2005 "Abzocke in der Schauspielschule: LKA ermittelt nach KLARTEXT-Berichterstattung"
Schauspiellehrer liess Schüler strammstehen
Er ist jung, sieht gut aus und will zum Film. Aber M.(24) geriet in die Fänge eines
skrupellosen Schauspiellehrers, der ihn wie einen Sklaven hielt...
Amtsgericht Tiergarten. Angeklagt: Jürgen Fuhrmann(53). Schon 1993 wurde er verurteilt: Er
hatte sich einen Bühnenarbeiter gefügig gemacht, ihn stundenlang vor sich im Höschen
strammstehen lassen und dessen Muskeln befühlt. Seither zieht er durch die Lande. Gibt den
Chef einer "Schauspielschule und Casting-Agentur". Lockt mit Filmen, die nie gedreht werden.
Immer wieder findet er naive Jungen wie M., die auf ihn reinfallen. Dann kommt gefälschte
Post vom "Staatsanwalt", der Lehrer spielt "Bewährungshelfer" und ruft zur "Strafe":
Kniebeuge, Luftsprünge, Strammstehen mit offenem Mund - in kurzer Hose, stundenlang. Und
dazwischen befingert der "Schauspiellehrer" seinen Schützling von Kopf bis Fuß...
Marten hatte den Mut, den kriminellen Schauspiellehrer anzuzeigen. Urteil gestern: 1350 Euro
Strafe wegen Nötigung. Andere Opfer sind heute prominente Schauspieler, schweigen noch immer,
weil es ihnen peinlich ist.
Berlins bizarrster Theaterlehrer
Der Schauspiel-Lehrer der Herr, sein Schüler der Sklave. So klingt der schlechte Film, der im
Büro von Jürgen F. (54) abgelaufen sein soll. M.Z. (24): "Nur in Unterhose musste ich vor ihm
turnen."
Stundenlange "körperliche Ertüchtigungen". M.Z.: "Halbhocke mit ausgestreckten Armen,
Seilspringen, auf einem Bein hopsen..." Dann habe F. seinen Körper abgetastet: "Er wollte
angeblich kontrollieren, ob ich Verspannungen habe."
Mit einem fingierten Schreiben der Staatsanwaltschaft in der Hand soll Jürgen F. die
"Übungen" verkündet haben. Der Ex-Schüler: "2000 Stunden Strafe sollte ich demnach bei ihm
ableisten." Erst Monate später bekam Z. heraus, daß es nie ein Verfahren gegen ihn gab. Dabei
hatte er seinem Lehrer so vertraut: "F. sagte, ich könnte eine Hauptrolle in einem
Ringer-Film spielen." Der Angeklagte lehnte sich zurück: "Solche Turnübungen hat es nie
gegeben." Zeugen aber marschieren auf, darunter Sängerin Angelika Mann. Sie beobachtete eine
nächtliche Turnszene durchs Fenster: "Marten hüpfte, F. lief um ihn herum, wie die Schlange
ums Kaninchen."
Bereits vor 14 Jahren wurde F. für eine ähnliche Sache verurteilt. Auch jetzt stand für den
Richter fest: "Er nötigte Z., Strafübungen zu absolvieren." Ob er auch das Schreiben
gefälscht hatte, blieb offen. Das Urteil: 1350 Euro Strafe. K.E.
Theaterchef hielt Bühnenbildner als Sklaven
Sein Opfer mußte stundenlang strammstehen, die Muskeln testen lassen. Mildes Urteil: Nur 4500
Mark Geldstrafe
von Anne Losensky
Berlin - Es klingt wie ein Psycho-Thriller auf der Bühne, ist aber nicht erfunden: Ein
Berliner Theater-Chef macht sich einen jungen Bühnenbildner hörig, hält ihn wie einen
Sklaven.
Er hatte leichtes Spiel: Weil sein Opfer schon mal einen Hund überfuhr, lebte es in ständiger
Angst vor der Justiz. Mit gefälschten Schreiben dreier Gerichte hielt Jürgen Fuhrmann (39)
vom Kreuzberger Theater "Kreuz und Quer" den ehemaligen Tischler Olaf D. (26) in
Schach.
Monatelang drangsalierte der Theater-Mann seinen Untergebenen. Er hatte sich ihm gegenüber
als "Mann mit guten Beziehungen zur Justiz" ausgegeben, später als vom Gericht "zugeordneter
Bürge". Weil tatsächlich ein Ermittlungsverfahren in anderer Sache gegen den Bühnenbildner
lief, vertraute der dem Theater-Chef bedingungslos: Ließ sich Ausweis und Fahrerlaubnis
wegnehmen. Stand stundenlang stramm vor ihm (während sich der Chef im Drehsessel räkelte).
Wurde "bestraft": Täglich eine Stunde "körperliche Ertüchtigung" mit Liegestützen,
Kniebeugen, Strecksprüngen auf der Bühne.
Einmal die Woche mußte Olaf D. - ausgezogen bis auf den Slip - die Muskeln befühlen lassen.
Olaf D.: "Ick habe echt gelitten." Erst eine Freundin überredete ihn, zur Polizei zu gehen.
Fuhrmann legte obskure Protokolle an ("Strafsache Olaf"), die ihn überführten. Der
Theater-Chef: "Ich dachte, ich bin wirklich sein Bürge! Das war wie ein Zwang." Sein
Verteidiger: Helfersyndrom, um den Bühnenbildner aus der Gosse auf die Bretter, die die Welt
bedeuten, zu holen. Das milde Urteil: 4500 Mark Geldstrafe.
Die Senatsverwaltung Bildung Jugend Sport hat am 8. August 2005 erlassen: Die Fortführung der Ergänzungsschule CK-Castingkultur wurde aufgrund einer Untersagungsverfügung vom 8. August 2005 untersagt und die Einrichtung wird nicht mehr im Verzeichnis der Berliner Schulen geführt werden. Die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur hat in Übereinstimmung mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport die o.g. Schule im Verzeichnis der BAföG-förderungswürdigen Einrichtungen streichen lassen.
Sat. 1: Es gibt keine Pläne für einen Vierteiler - Von »Coach« Jürgen Fuhrmann hereingelegt
(Anmerkung: Der Artikel ist leider nicht mehr im Online-Archiv der Zeitung verfügbar. Man kann ihn aber bei Genios abrufen, kostet 2,38 EUR.)
Das Interesse an sportlichen jungen Männern ist nach wie vor groß. Nachdem im Frühjahr 2009 kräftige Buben für einen angeblichen Fussball-Vierteiler gecastet wurden, sucht man jetzt männliche Darsteller im Alter von 6 bis 19 Jahren für einen Boxfilm. Allerdings möchte man gern im Geheimen suchen: "Das Thema ist brisant. Aus gutem Grund sollen wir hier nicht öffentlichkeitswirksam agieren."
Die neue Firma heisst "Actstep", ansonsten ist wohl alles wie gehabt.